Nachruf zum Tod von Gitta Brückhändler
*1. Dezember 1943 † 18. Juni 2017
(Bild: Gitta Brückhändler als Ruderin im Europameisterschaftsachter, 4. v.r.)

Beinahe 40 Jahre, mehr als die Hälfte ihres Lebens hat Gitta Brückhändler in der Nixenstraße 2 verbracht. 40 Jahre eines Lebens, das nun vor wenigen Wochen ein Ende nahm.
„Brücki“ wie sie liebevoll hinter vorgehaltener Hand genannt wurde, begann im Jugendalter in Leipzig mit dem Rudern. Mitte und Ende der 60er Jahre holte sie für den Ruderverein SC DHfK Leipzig Titel und Ränge auf mehreren DDR-Meisterschaften sowie einer Europameisterschaft. In den 1970er Jahren kam die Sportlerin dann nach Berlin – ins Bootshaus Nixenstraße. Seither wirkte sie hier als Jugendtrainerin für den SC Dynamo, ebnete Rudergrößen wie Britta Oppelt, Sybille Schmidt und Kathrin Haacker den Weg zu Meisterschaftssiegen und Olympia-Teilnahmen. Gitta Brückhändler hat sich in einer männerdominierten Trainerwelt einen Namen gemacht.
Nach der Wiedervereinigung übernahm sie das Training der Junioren im SC Berlin Abteilung Rudern, später Sportclub Berlin-Köpenick. Auch hier hat sie jungen Sportlern zu Bestleistungen verholfen, Titel auf Deutschen Meisterschaften gesammelt und mit Sportlern wie Eric Knittel den Nationalkader bestückt. Im Jahr 2002 wechselte sie für einige Jahre den Standort, wurde Landestrainerin in Potsdam. Nach weiteren medaillenträchtigen Jahren im dortigen Juniorenbereich legte sie ihr Traineramt im Rentenalter endgültig nieder. Während all der Zeit kam sie immer auch wieder ins Bootshaus Nixenstraße, manchmal um selbst etwas zu sporteln oder auch, um sich auf der Terrasse die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen.
Dann die Diagnose Krebs. Eine Frau, die sich ein Leben lang dem Sport verschrieben hat, bis ins Rentenalter körperlich und als Trainerin aktiv war: Unbegreiflich, warum gerade sie diese Erkrankung heimsucht. Selbst in ihren schwersten Jahren war sie dem Verein weiter verbunden, kam, wann immer es ihre Kräfte und das Wetter zuließen, an die Spree, beobachtete das Trainingsgeschehen von Land aus oder begleitete die eine oder andere Trainingsausfahrt der heutigen Kinder, Junioren und Masters im Motorboot.
Als Trainerin war sie berühmt für ihren scharfen Blick, dem nichts entging. In jeder Trainingssekunde, auf dem Wasser, im Ruderkasten und beim Krafttraining. Selbst wenn die Sportler glaubten, sie sei gerade vertieft in ihre Notizen und bemerke nicht, ob die Anzahl der Soldatensprüngen korrekt war, hat sie im Augenwinkel alles erspäht. Und den Sportler unverzüglich auf die fehlenden Wiederholungen in seiner Übung aufmerksam gemacht. Im Training mit den Zöglingen war sie unnachgiebig. „Und wenn ich mir den Mund fusselig rede. Ich sag das so oft, bis es richtig klappt“, so ihr Mantra. Sie arbeitete akribisch. In A5-Heften hielt sie alle Gedanken und Fakten über ihre Sportler fest. Wöchentliche Ergometer-Werte, aktuelle Gewichte im Krafttraining, Langstreckenzeiten: Mit den Jahren füllte sie dutzende Büchlein – und hatte das meiste davon auch im Kopf abgespeichert. Sie war ein Vorbild. Mit fast 60 Jahren turnte sie gern mal vor, zeigte die perfekte Ausführung von Kräftigungsübungen auf den Matten gänzlich ohne Mühe; oder hielt minutenlang ihre Arme gestreckt in die Luft, mit einem Lächeln im Gesicht, während die Sportler bei der gleichen Übung bereits vom Schmerzen zerfressene Grimassen zogen. Für ihre Strenge und ihre ehrliche und direkte Rückmeldung war sie gefürchtet. Ihr Feedback zugleich ersehnt. Sie hatte hohe Erwartungen an ihre Sportler, aber gab ihnen auch das Handwerkzeug mit, um diese zu erreichen.
„Brücki“ hat Menschen berührt, wenn auch nicht alle persönlich, so doch zumindest in einem Lebensbereich, der den Menschen viel bedeutet. Im Sport. Sie hat junge Menschen in ihrer Leidenschaft unterstützt, in ihnen Höchstleistungen hervorgebracht und damit auch Lebenswege geebnet. Sie hat ihren Sportlern viel gelehrt, vor allem dass so viel mehr in ihnen steckt, als sie manchmal zu glauben wagten. Dafür gebührt ihr unsere größte Dankbarkeit und Respekt. Respekt aber auch vor so viel Engagement für den Rudersport, für ihre jungen Sportler. Für so viel Gespür dafür, wo Talente und Ressourcen schlummern, für so viel Kompetenz. Ihr Tod ist nicht nur ein Verlust für die Nixenstraße, sondern für die gesamte Rudergemeinschaft in Deutschland.
Wir, Vereinsmitglieder, einstige Ruderkameraden, ehemalige Sportler und Trainerkollegen von Gitta Brückhändler trauern um diese starke Frau.
Die Beisetzung fand am 17. Juli 2017 um 11.00 Uhr auf dem Waldfriedhof Wuhlheide statt.